Deutsche Ingenieurkunst “Made in China” – oder wie deutsche Manager mit chinesischem Spirit leben

Wir stellen vor: Arnim Rohns und Viktor Ungemach

Neuer CFO EDAG Shanghai

Mit 56 Jahren hat der gebürtige Westfale und Dipl. Betriebswirt Arnim Rohns im Rahmen seiner vielen Auslandseinsätze schon einiges an Berufs- und Lebenserfahrung sammeln können. Von Chicago über Singapur zurück nach Chicago, wo er dann seine in Shanghai geborene Frau kennen lernte, die zu diesem Zeitpunkt ihr MBA-Studium an der University of Chicago absolvierte. Von dort aus ging es gemeinsam weiter – nach New Jersey. Vorerst, denn nach einem Zwischenstopp in Deutschland wurde Rohns über eine Stellenanzeige auf die Position des CFO im EDAG Office in Shanghai aufmerksam, die er zum 01.12.15 antrat.

In seiner beruflichen Laufbahn war Rohns überwiegend im Maschinen- und Anlagenbau im Bereich Finanzen tätig. „Mit dem Ziel vor Augen, die Finanzen eines Unternehmens zu leiten, konnte ich im Jahr 1999 meinen Traum verwirklichen. Durch die Unterstützung meines damaligen Mentors übernahm ich in Chicago die Funktion des CFO der Firma Coperion. “Durch die vielen internationalen Einsätze als Finanzvorstand und als CEO bei u.a. Coperion in Singapur, ist Rohns mit dem notwendigen Know-how für seine neue Aufgabe bestens ausgestattet. Aber nicht nur die Affinität für Zahlen und Finanzströme innerhalb eines Unternehmens zeichnet den neuen EDAG China CFO aus.

„Für mich ist die Entscheidung aus Deutschland wegzuziehen und meinen Lebensmittelpunkt nach China zu verlegen, sehr leicht gefallen. Durch meine vielen Asienreisen in den letzten Jahren, die mich auch häufig nach Shanghai führten, ist diese Metropole zu meiner zweiten Heimat geworden. Und das liegt unter anderem auch an der herzlichen Aufnahme in das chinesische Familienleben meiner Frau. Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Arnim Rohns
Armin Rohns, CFO, EDAG Engineering & Design (Shanghai) Co., Ltd.

Shanghai als „Silicon Valley“ von China

Auch der zweite EDAG-Neuling im Bunde, der nun das Geschäft der EDAG PS in China  leiten wird, hat sich ganz bewusst dazu entschieden, seinen Lebensmittelpunkt samt Kind und Kegel nach China zu verlagern. Viktor Ungemach hat bereits während seines Studiums mit dem Schwerpunkt „Regionalwissenschaften Ostasien“ erste Berührungspunkte mit der asiatischen Kultur knüpfen können. Beginnend mit einer Rucksacktour während der Semesterferien von Peking nach Shanghai hat er im Jahr 2000 das erste Mal die Aufbruchsstimmung im Land - insbesondere in der Metropolregion Shanghai - erleben können.

„Die Stadt, die damals schon als „Weltbühne für China“ galt, hat mir sofort sehr gut gefallen und mit ihrem unternehmerischen Spirit und ihrem Optimismus haben mich ihre Einwohner völlig in den Bann gezogen. So entwickelte sich der Wunsch, schon sehr bald hierhin zurück zu kehren“, berichtet er uns. 2002 folgten dann ein Auslands- und ein Praxissemester in Shanghai, um die chinesischen Sprachkenntnisse zu festigen. Nach Abschluss seines Studiums 2007 führte dann der Weg nach Peking, um dort die Arbeit als Projektmanager in einem chinesisch-deutschen Joint Venture aufzunehmen. Hier war Ungemach maßgeblich an dem Aufbau des Sourcing-Bereichs für die großen Automobil-OEMS beteiligt. In 2012 und mittlerweile verheiratet, entschieden sich er und seine chinesische Frau, die auch in Deutschland studiert hat und fließend deutsch spricht, die ersten Lebensjahre des kleinen Sohns in Deutschland zu verbringen. Mit der Absicht in Shanghai eine Niederlassung aufzubauen, wurde das Unternehmen MR Plan GmbH als neuer Arbeitgeber für Ungemach interessant, sodass er als Länderreferent China in der Firma einstieg und aus Donauwörth heraus die Niederlassung aufbaute, um dann 2014 nach Shanghai umzuziehen, um von dort aus als CEO die Niederlassung mit mittlerweile 45 Mitarbeitern zu leiten. Das zu betreuende Leistungsspektrum umfasste ähnliche Dienstleistungen wie das heute zu verantwortende Geschäft bei der EDAG PS rund um die Fabrikplanung, dem Projektmanagement und der Logistikplanung. Von dieser Erfahrung profitiert er natürlich auch in seiner neuen Position als Head of Production Solutions der EDAG Engineering & Design (Shanghai) Co., Ltd, die er nun seit Anfang 2016 innehat.

Viktor Ungemach
Viktor Ungemach, Head of Production Solutions der EDAG Engineering & Design (Shanghai) Co., Ltd

Dass in China die deutsche Ingenieurkunst besonders geschätzt wird, berichtet Ungemach aus eigener Erfahrung. „Insbesondere die Qualität der Ausbildung im Ingenieurwesen in Deutschland wird von den Chinesen hoch geachtet. „Made in Germany“ gilt hier als Gütesiegel, vor allem im Fahrzeugbereich! Daher werden wir deutschen Kollegen sehr geschätzt.“ Neben dem fachlichen Know-how ist auch seine Rolle in der Personalführung gefragt, denn aufgrund der positiven Entwicklung des Standorts wird ein starker Mitarbeiteraufbau anvisiert.

Auf die Frage hin, ob sich China oder doch Deutschland für ihn und seine Familie mehr nach Heimat anfühlt, erklärte uns Ungemach: „Dadurch, dass meine Frau und ich beide Sprachen beherrschen und in beiden Ländern verwurzelt sind, lässt sich das nicht so klar sagen. China als auch Deutschland bieten uns hervorragende Möglichkeiten. Die Priorität kommt heute eher aufgrund des gemeinsamen Kindes, insbesondere hinsichtlich der ökologischen Rahmenbedingungen.“

Sprach-Skills beherrschen, heißt noch lange nicht, dass man sich auch versteht

Dass es trotz der Verbundenheit mit der chinesischen Kultur zu Missverständnissen in der Kommunikation kommen kann, bestätigen uns beide Herren aus eigener Erfahrung. „Gerade in der Arbeitswelt zeigen sich die Unterschiede zwischen deutscher und chinesischer Mentalität. In China basieren die Geschäftsbeziehungen auf persönlichen Faktoren wie Vertrauen sowie Respekt. In der westlichen Welt zählt für eine Geschäftsbeziehung eher der seriöse Ruf einer Firma. Daher legen wir sehr viel Wert auf  Pünktlich-, Genauig- und Schnelligkeit. Wir sind besonders ergebnisorientiert und versuchen nichts dem Zufall zu überlassen. Der Chinese hingegen kann für uns wichtige Dinge durchaus auch einmal für längere Zeit ruhen lassen. Ich bin der Meinung, die Mischung macht’s – so können wir aus der Kombination beider Kulturen gegenseitig voneinander profitieren und lernen“, führt Rohns aus.

Damit langfristig Vertrauen aufgebaut werden kann, ist im chinesischen Berufsleben der persönliche Austausch insbesondere außerhalb der Arbeit entscheidend. So wird bei einem gemeinsamen Dinner auch mal über Gehälter oder private Investitionen wie ein Autokauf gesprochen. In Deutschland ist dies eher ungewöhnlich – in China aber Gang und Gebe.

Nicht nur in dem „was“ kommuniziert wird gibt es Unterschiede in den beiden Kulturen, sondern auch in der Art und Weise, dem „wie“.  Rohns erklärt uns warum: „In der westlichen Welt findet Kommunikation im Wesentlichen durch die Sprache statt. In China dagegen ist die Sprache nur ein Teil der Kommunikation. Wenn wir in Deutschland zumeist etwas ablehnen, erklären wir das mit einem direkten „Nein“. Ein Chinese vermeidet i.d.R. direkte Ablehnung, um das Gesicht des Gegenübers zu wahren. Er wird eher mit einer freundlichen Umschreibung oder mit einer bewusst eingesetzten Mimik seine Meinung zum Ausdruck bringen.“

Die Kombination aus weitreichender Praxiserfahrung gepaart mit dem Verständnis für die chinesische Kultur zeichnet unsere beiden neuen Führungskräfte der EDAG Engineering & Design (Shanghai) Co., Ltd. aus.

Wir wünschen Arnim Rohns und Viktor Ungemach weiterhin viel Erfolg!