Agiles Prototyping

wie sich eine ganze Branche noch immer mit Flexibilität und Beweglichkeit schwer tut

Entwicklung 4.0®

Das Internet der dinge vernetzt nicht nur Geräte, Menschen und dinge miteinander, es beschleunigt auch Entwicklungs- und Kaufzyklen. Smartphone-Nutzer haben ihr mobiles Internet beispielsweise immer griffbereit und können so nach Lust und Laune einkaufen – ein paar Klicks und schon sind die neuen Songs erstanden und heruntergeladen oder die nach ihren Wünschen produzierten Sneaker bestellt. Nicht nur Konsumenten verlangen eine immer schnellere Reaktion des Lieferanten auf ihre Bedürfnisse, auch im B2B-Sektor ist ein schnelles Eingehen auf Kundenanforderungen Voraussetzung für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit.

Damit eine wettbewerbsfähige Reaktionsfähigkeit auf Kundenbedürfnisse in der Entwicklung physischer Produkte erzielt werden kann, müssen neue Produktentwicklungskonzepte zum Einsatz kommen. In der Software-Industrie kommen bereits seit längerer Zeit sogenannte agile Entwicklungsmethoden zum Tragen. Dabei wird eine Software nicht komplett entwickelt und anschließend getestet, sondern es werden einzelne Teilaufgaben entwickelt, getestet, bewertet und für Updates oder Finetuning an die Ingenieure zurückgespielt. Doch beim Thema Hardware oder Bauteile hieß es bislang, dass die traditionelle Methode – Teile zu entwickeln, anschließend Prototypen herzustellen und nach Tests im Ernstfall wieder fast komplett von vorne zu beginnen – vorherrschte. Denn bei physischen Produkten lassen sich nicht einfach nur Teile eines Produkts testen. Darüber hinaus sind die Systeme im Zusammenspiel so komplex, dass sie als Ganzes gesehen werden müssen, um die Wirkung der Komponenten aufeinander festzustellen – und auch, ob das fertige Produkt die Anforderungen des Kunden erfüllen würde. 

Auf die richtige Einstellung kommt es an

Im Hinblick auf die Hardware beschäftigen sich agile Produkt-Entwicklungsprozesse daher primär damit, interne Abläufe zu verändern und diese schlanker zu gestalten. Nach außen – also zum Kunden oder Verbraucher hin – werden die traditionellen Wege eher beibehalten. Der große Vorteil des agilen Konzeptes ist, dass er auf einer einfach zu verstehenden und leicht umzusetzenden, geregelten Vorgehensweise basiert. Entsprechend der neuen Prozesse verändern Mitarbeiter, Teams und Management ihr Verhalten. Dies ist enorm wichtig, denn nur durch kulturelle Veränderungen lassen sich agile Prozesse wirklich realisieren. Bislang scheiterten viele Lean-Management-Konzepte daran, dass zwar die Methoden angewandt wurden, sich die Einstellung von Mitarbeitern und Management aber nicht änderte. So steuerte das Management beispielsweise Teams weiterhin hierarchisch, statt sie relativ eigenständig agieren zu lassen.

Das Kennzeichen agiler Konzepte: Entwicklungsaufgaben werden in Teilaufgaben aufgeteilt und von kleinen Teams selbstständig realisiert. Allerdings bedeutet jede Aufgabentrennung auch immer einen Informationsverlust. Es muss beachtet werden, wie sich die separat betrachteten Teilsysteme in ihrer Funktion gegenseitig beeinflussen. Deshalb wird bei der Entwicklung von Hardware, auch um mögliche Produkthaftungs- und Zertifizierungsfragen zu berücksichtigen, häufig parallel noch die traditionelle Wasserfall-Methode beibehalten.

Agile Entwicklung verändert Kultur und Arbeitsweise

Dennoch wird sich die agile Produktentwicklung letztlich nicht aufhalten lassen – zu groß sind die Gewinne im Hinblick auf Produktivität und Effizienz, wenn sie erfolgreich umgesetzt wird. Mit einer solchen Methodik sind Führungskräfte in der Lage ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen, nämlich Teams und Mitarbeiter zu fördern und ihnen die Werkzeuge sowie Trainings an die Hand zu geben, mit denen sie ihre Aufgaben besser erfüllen können. So lässt sich letztlich das Potenzial der Angestellten besser nutzen – und dank der agilen Vorgehensweise steuern Teams sich selbst, ohne dass ein Mikro-Management der Führungsebene notwendig wäre.

Einfach nur die Einstellung der Mitarbeiter zu ändern, reicht allerdings nicht: Die gesamte Unternehmenskultur muss sich verändern, denn sonst lassen sich die Herausforderungen durch die fortschreitende Digitalisierung nicht meistern bzw. deren Chancen nicht ausschöpfen. Industrie 4.0 und disruptive Technologien sowie Geschäftsmodelle (in Richtung Uber, Airbnb oder autonomes Fahren) sind keine Schlagworte oder vorübergehende Trends, sondern werden die gesamte Wirtschaft verändern. Dank eines agilen Konzepts lässt sich schneller auf diese Umwälzungen reagieren, lassen sich Produkte schneller entwickeln und testen. Wie die einzeln bearbeiteten Teilaufgaben wieder zusammengefügt werden, ist bei diesem Konzept offen – und wird in verschiedenen Unternehmen und Produkten auch unterschiedlich ablaufen. Ein entsprechendes Daten- und Wissensmanagement ist als Basis für den reibungslosen Ablauf der Teilaufgaben sowie das spätere Zusammenfügen dieser „Puzzleteile“ unerlässlich, denn nur so lassen sich Aktivitäten und Teams steuern.

Integraler Bestandteil agiler Prozesse sind regelmäßige Tests – anders als bei der Wasserfall-Methode finden sie beispielsweise nach jedem Scrum-Run statt und nicht nur, wenn die Entwicklung abgeschlossen oder eingefroren ist. Der Vorteil: Mögliche Fehler lassen sich schneller korrigieren und das Produkt insgesamt schneller validieren. Letzteres ist auch virtuell möglich. Vorgaben für die Zertifizierung von Produkten oder die Dokumentation der einzelnen Entwicklungsschritte verzögern den Prozess ebenfalls nicht, da sie innerhalb der jeweiligen Teilabschnitte abgebildet werden.

Konzept „Entwicklung 4.0“ für eine schnellere Hardware-Entwicklung

Allein die Einführung agiler Prozesse in der Produktentwicklung schöpft aber nicht das gesamte Optimierungspotenzial aus. Auch die Integration, das Wissensmanagement und die Validierung lassen sich effizienter gestalten. In einer agilen Organisation ist dies noch wichtiger als in einem traditionell agierenden Unternehmen. 

Entwicklung 4.0®

Das neue Produktentwicklungskonzept „Entwicklung 4.0“ von Feynsinn unterstützt Unternehmen dabei, das Potenzial aller Mitarbeiter bestmöglich zu nutzen und sie auf den jeweils richtigen Projekten oder Teilbereichen einzusetzen. Basierend auf Best-Practice-Methoden legt Entwicklung 4.0® den Fokus darauf, funktionale und konstruktive Zusammenhänge abzubilden. Diese integrieren ein entsprechendes Wissens- und Datenmanagement, um Teams und Unternehmensführung einen holistischen Überblick über das gesamte Projekt zu geben. Dazu gehören:

  • Umfassende Produktinformationen in einer Datenbank (modellbasierte Entwicklung)
  • Durchgängige Nutzung der Daten über den gesamten Wertschöpfungsprozess hinweg – und zwar bis zum Ende des Produktlebenszyklus
  • Strukturierung der frühen Entwicklungsphase, Optimierung der Vorentwicklung durch Funktionsorientierung und Modulstrategie
  • Visualisierungen, um Informationen innerhalb der Teams besser auszutauschen und schnellere Entscheidungen treffen zu können
  • Besser nutzbare Arbeitsumgebungen sowie intuitiv zu bedienende Benutzeroberflächen

Entwicklung 4.0 ist somit in der Lage, Unternehmen auf Herausforderungen wie Industrie 4.0, digitale Transformation und disruptive Innovationen nicht nur vorzubereiten, sondern ihnen einen Wettbewerbsvorsprung zu verschaffen.