Warum Ingenieure auch mal Schmutz machen dürfen

Einzigartig - das „Accredited Test Center“ der EDAG

Sonnencreme, die auf das Cockpit geschmiert wird? Unterschiedlichste Klimazonen und Witterungsverhältnisse? Tritte, Stöße und Hiebe gegen Fahrzeugteile? Oder einfach die Abnutzung über die Lebenszeit hinweg?

Wenn die Intention dahinter nicht so ernsthaft wäre, könnte man das „Accredited Test Center“ der EDAG, kurz „ATC Fulda“, auch als über 2500 m² großen Traumspielplatz für zerstörende Naturen bezeichnen. Doch wenn Ingenieure Autos in die Mangel nehmen hat das nicht unbedingt etwas mit Spieltrieb zu tun. Im Gegenteil: Im „ATC Fulda“ werden Bauteile und Materialien auf absolute Serienreife geprüft. Und zwar mit Versuchen, die dem absolut realistischen Alltag entsprechen. Schließlich ist jeder von uns manchmal etwas ungeschickt. Und die kleinen Ausrutscher des Lebens, sei es nun durch Softdrinks oder Kosmetik, muss ein modernes Auto genauso unbeschadet abkönnen wie Wind, Wetter und die Abnutzung auf rauen Straßen.

Jede relevante Belastungssituation für moderne Fahrzeuge kann getestet werden

Im ATC Fulda werden Fahrzeugteile genau diesen Belastungen immer wieder ausgesetzt. Zu diesem Zweck findet man im „ATC Fulda“ eine einzigartige und umfangreiche Zusammenstellung von Versuchsaufbauten, die so sicherlich nirgends sonst zu finden ist. Von Klimakammern, mechanischen, elektrischen oder chemischen Versuche, über die sogenannten Shaker bis hin zu Hochgeschwindigkeitskameras die Biege- und Zugversuche erfassen – für jede in der Automobilindustrie relevante Belastungssituation hat man im „ATC Fulda“ eine Testlösung parat.

Erst im Test zeigt sich was ein Werkstoff wirklich leistet

So können beispielsweise Automobilhersteller und Zulieferer Materialkarten erstellen lassen, welche die Leistungsfähigkeit ihrer Materialkombinationen wiedergeben. Werkstoffe werden dafür gebogen, komprimiert, verdreht oder gezogen. Mit Spezialkameras, bei einer Geschwindigkeit von über 100.000 Bildern pro Sekunde, zeigt sich dann recht schnell was ein Werkstoff wirklich leistet. Mit diesen Versuchen lassen sich ebenso virtuelle Simulationen aus dem Bereich des Computer-Aided-Engineerings (CAE) validieren.

Von sibirischer Kälte bis zu Wüstentemperaturen: Kreativität im Versuchsaufbau ist gefragt

Ein weiteres Beispiel aus dem Leistungsspektrum des „ATC Fuldas“, sind die elektrischen Versuche. So wird beispielsweise Strom durch einen Leiter geschickt und analysiert, welche Spannungsfälle, Temperaturänderungen oder Widerstände bei verschiedenen Belastungssituationen auftreten. Und falls das noch nicht ausreicht, um elektronische Komponenten auf Herz und Nieren zu prüfen, führen die EDAG-Ingenieure den gesamten Versuch in einer Klimakammer durch. Denn Bauteile müssen nicht nur bei Raumtemperaturen ihr Bestes geben, sondern auch in den kältesten und heißesten Regionen dieser Welt, unter Dauerregen, Druckveränderungen, Sonneneinstrahlung oder elektromagnetischen Feldern. Kein Wunder, dass neben der Erfahrung auch Kreativität beim Versuchsaufbau gefragt ist.

Und so kommt es, dass es im „ATC Fulda“ von Berufswegen her tagtäglich „regnet, Nebel aufzieht, die Erde bebt oder irgendwo wiedermal der Blitz einschlägt.“