Einmal Aufladen bitte!

Warum das Smartphone den Verkehr verändert

Kaum eine technische Innovation hat unser Leben in den letzten Jahren so schleichend und doch rasant verändert wie das Smartphone. Dass es unseren Festnetzanschluss im Privathaushalt fast vollständig ersetzt hat, scheint nur eine Randerscheinung zu sein.

Ein Smartphone macht heute fast alles, was wir früher irgendwie „analog“ gelöst haben - es ist zugleich Fotoapparat und Fotoalbum, Terminkalender, Spielkonsole, Bankfiliale, Personaltrainer, Kochbuch, Internetzugang, Stereoanlage, Straßenkarte, Navigationsgerät, Fahrplan und Ticketschalter, Türöffner, Klimasteuerung, Suchmaschine und vieles mehr. Und obwohl die Möglichkeiten der Nutzung dank Apps und technischer Vernetzung unbegrenzt sind, haben Smartphone-Nutzer mit einer Einschränkung zu kämpfen, die zu Zeiten, als Handys wirklich nur Handys waren, kaum eine Rolle spielte: Der Abhängigkeit vom Stromnetz. Denn Geräte, die so intensiv genutzt werden, brauchen einfach häufiger den Anschluss an eine Steckdose.

Vom Smartphone zum Auto zum Stromnetz

Auch wenn der Übertrag auf den ersten Blick etwas gewagt scheint: Bei EDAG schlägt man derzeit mit geballter Innovationsfreude die Brücke vom Smartphone zum Auto zum Stromnetz - und zurück. Mit zwei Competence Centern, die sich ausschließlich mit den Themen Elektromobilität und Car-IT / Connectivity und deren sinnhafter Verknüpfung auseinandersetzen. Durch gezielte, teils eigenständige, teils projektbezogene Vorentwicklung und durch eine enge Zusammenarbeit mit der Forschungslandschaft will man dabei genau die Probleme lösen, vor denen die Automobilbranche derzeit noch steht - insbesondere wenn es um die Implementierung dieser innovativen Themen in unseren Alltag geht. 

Die Mobilitätswende ist eine Sache des Ladens

Doch wo genau ist jetzt der Übertrag zu unseren Smartphones? Es fängt beim Laden an! Dass die Zukunft den alternativen Antrieben, insbesondere der Elektromobilität gehört, steht außer Frage. Bis heute scheint die Umsetzung jedoch eher träge von statten zu gehen - es könnten (zumindest gefühlt) durchaus mehr rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf unseren Straßen fahren, denn die Technik ist bereits so weit. Dass die „Mobilitätswende“ eher zögerlich voranschreitet liegt vor allem an der fehlenden und noch nicht standardisierten Infrastruktur - denn wer ein E-Fahrzeug fährt, muss es auch Laden können. Und zwar nicht nur in der heimischen Garage, sondern da, wo er gerade Strom braucht. „Die Branche verfolgt derzeit zwei Ansätze“, so Heiko Herchet, Car-IT und EMobility-Expert der EDAG. „Zum einen das langsame Laden über die überall verfügbare, jedoch national unterschiedliche Haushaltssteckdose, zum anderen die Entwicklung eines völlig neuen Standards, der schnelleres Laden ermöglicht. Beide Ansätze schließen sich nicht aus, müssen allerdings optimiert, beziehungsweise durchdacht werden - schließlich geht es um Strom und somit auch um Sicherheit. Und die sollte gewährleistet sein, wenn Menschen ihre Autos aufladen.“ Das EDAG Competence Center für Elektromobilität erarbeitet derzeit nicht nur solche Standards und die dazugehörigen Sicherheitsaspekte, sondern versucht auch schon neue Entwicklung wie beispielsweise das kabellose Laden zu berücksichtigen. Ziel ist es dabei, derartige Ansätze in die Serienreife zu bringen - und gleichzeitig als Vermittler zwischen der Energiebranche und den Fahrzeugherstellern mögliche Synergien und Vorteile der Standardisierung aufzuzeigen. 

Wie Car-IT und Connectivity der E-Mobility zum Durchbruch verhelfen

Auch wenn die Smartphone-Analogie in Sachen Aufladen weit hergeholt scheint: sie rückt näher, wenn man etwas genauer über das Thema Vernetzung nachdenkt. Die beiden Competence Center arbeiten nicht umsonst Hand in Hand an Visionen, die Smartphone, Elektroantriebe und Mobilität der Zukunft zusammenbringen. Zum einen soll das Smartphone in Zukunft dabei helfen, Ladestationen für das eigene Fahrzeug zu suchen und zu reservieren. Das macht insofern Sinn, als dass durch diese Serviceleistung neue Geschäftsmodelle entstehen können, die die Integration der Elektromobilität in unseren Alltag für Anbieter der Energie- und Automobilbranche attraktiver machen. Zum anderen denkt man aber auch schon über den urbanen Trend des intermodalen Verkehrs nach. Gemeint ist damit die Beförderung durch verschiedene Verkehrsträger - oder einfacher ausgedrückt, die Unabhängigkeit vom eigenen Auto. Gerade in Großstädten ist zu beobachten, wie nicht zuletzt auch das Smartphone die Verkehrsnutzung verändert hat. Taxi-Services über die App, Kombinationen aus Bus- und Bahnverkehr mit Miet- und Carsharing-Fahrzeugen und nicht zuletzt Car-und Bikesharing selbst sind bereits innerstädtische Realität. Diese gemeinschaftliche Mobilität stellt sowohl die städtische Infrastruktur, als auch die Anbieter und Hersteller vor neue Herausforderungen - wie verhält es sich mit der Parkplatzsituation, wo kann getankt oder geladen werden und vor allem: Wie sind diese Systeme und Anbieter untereinander vernetzt? Fragen, mit denen man sich im Innovationsnetzwerk gemeinsam mit Politik, Industrie, Wissenschaft, Städteplanern, Energieversorgen und Betreibern auseinandersetzt. Das Lösungen möglich sind, hat das Competence Center der EDAG bereits vor einigen Jahren mit der Idee „EDAG LightCarSharing“ unter Beweis gestellt - einem Fahrzeug, das ganz auf die Bedürfnisse des Carsharings zugeschnitten ist, und derzeit als Arbeitsthese für die Entwicklung neuer Konzepte und deren Integration in zukünftige urbane Verkehrsszenarien dient.

Bald keine Spielereien mehr

Ob und wie diese Entwicklungen und Ideen zum tragen kommen, ist derzeit noch unklar. Klar ist nur, dass sich unser Leben und unser Mobilitätsverhalten verändert - durch Vernetzung, durch neue Technologien, durch Smartphones. Noch sind Apps für Fahrzeuge komfortable Spielereien, mit denen man die Musik, die Türschlösser oder die Hupe betätigen kann. Aber so, wie das Smartphone in vielen Bereichen unseres alltäglichen Lebens fast unbemerkt eine radikale Veränderung bewirkt hat, und für Millionen von Menschen zum selbstverständlichen Werkzeug geworden ist, wird es auch die Mobilität, die Art und Weise wie wir uns im Verkehr verhalten und nicht zuletzt den Verkehr selbst verändern. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und der guten Ideen, an denen man bei EDAG arbeitet.

Mehr zu den EDAG Competence Centern erfahren Sie in unserem Interview mit Heiko Herchet.