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08.08.2017

Das Auto als kollektive Idee

EDAG zeigt auf der IAA die Zukunft des Engineerings: Interaktiv, Demokratisch und Scrum-schnell

Wiesbaden/Fulda, Wenn auf der diesjährigen IAA Aussteller aus aller Welt ihre neuesten Modelle und Entwicklungen präsentieren, wird beim Engineering-Spezialisten EDAG der Stand vorerst leer bleiben. Kein Concept Car, keine neuen technischen Spielereien, nichts. Nur eine Bühne, die als Entwicklungslabor für Deutschlands vermutlich erstes Live-Engineering-Projekt dient. Die frischen Köpfe des weltweit größten unabhängigen Automobilentwicklers werden während der IAA-Messetage ein Fahrzeugkonzept live mit der Scrum-Methodik entwickeln und am Tag 12 als Weltpremiere präsentieren. Engineering 2.0 - agiler, schneller und effizienter. Dabei können die Besucher die EDAG-Entwicklungsspezialisten nicht nur live beobachten, sondern direkt vor Ort oder über Social-Media Kanäle interaktiv bei der Konzeptphase selbst mitwirken. Am letzten Messetag wird als Ergebnis dieses Experiments ein Konzept für schwarmintelligente Roboterfahrzeuge präsentiert werden, die autonom, elektrisch und vernetzt die Mobilität um eine neue Perspektive bereichern. Denn die Zukunft der automobilen Entwicklung liegt im kollektiv-vernetzten Arbeiten - und das gilt bei EDAG nicht nur für die Entstehung, sondern auch für das Produkt.

Autonomes Fahren weiter gedacht

Wenn Autos gemeinsam besser denken und lenken: Das EDAG Projekt #collectivio
Die Idee einer Liveentwicklung unter Partizipation der Zuschauer vor Ort und im Internet ist eigentlich schon revolutionär genug. Doch EDAG will mit dem folgerichtig #collectivio genannten Projekt auch zeigen, dass das autonome Fahren weiter gedacht werden kann. Denn warum sollten Fahrzeuge nur autonom fahren, wenn sie doch im Kollektiv mehr leisten können? Dass ein selbsttätiges Fahrzeug letztlich zum persönlichen Assistenten geeignet ist und sich neben dem Transport des Fahrgastes auch um die Organisation des Tagesablaufs und ähnliche Dinge kümmern kann, liegt im Zuge der Vernetzung nahe. Wenn aber Mobilität bald wichtiger als Besitz ist, könnte eine ganze Flotte an Fahrzeugen weitaus mehr für den mobilen Menschen leisten, als ein einzelnes Auto. Ob punktgenauer, immer verfügbarer Transport durch intelligentes Car-Sharing, erweiterter Nutzen durch Aufgabenteilung beim Waren- und Personenverkehr oder garantierte Intermodalität, egal an welchem Ort: Die Vernetzung von Fahrzeugen zum Schwarm könnte all das ermöglichen, was wir uns von Mobilität der Zukunft wünschen und erwarten. Nämlich die Entlastung des Verkehrs, die effizientere Nutzung von Ressourcen und den Gewinn von Raum, Zeit und Komfort für alle. Denn ein Verkehrsszenario, dass als Kollektiv für den Menschen rund um die Uhr im Dienst ist, schafft Raum - nicht nur in den heute noch vollgeparkten Städten.

Entwicklung von und für Menschen

Auch wenn die grobe Zielrichtung für das EDAG Projekt #collectivio bereits vorgegeben ist, darf man auf die konkrete Umsetzung gespannt sein. Wie eine Flotte schwarmintelligenter Fahrzeuge genau aussehen wird, werden die EDAG-Spezialisten aus sechs unterschiedlichen Fachbe-reichen an den 12 Messetagen gemeinsam erarbeiten. Was dabei wirklich wichtig ist, entscheiden allerdings nicht die Ingenieure, sondern die Menschen, die bestenfalls in Zukunft mit #collectivio unterwegs sind. Über die EDAG-Social Media-Kanäle dürfen Interessierte während der 12-tätigen Konzeptphase ihre Anforderungen, Ideen und Wünsche an die Entwickler senden, und sich somit aktiv in die Entwicklung einbringen. Der Hashtag „#collectivio“ dient dabei als Ideenpool für die Ingenieure - alle Einreichungen, Kommentare und Beiträge werden live auf eine Social Media-Wall übertragen und von den Spezialisten bewertet und bestenfalls mit eingearbeitet. Damit löst sich EDAG von einem konventionell starren Lastenheft und einem Entwicklungsprozess, der auf einer Einbahnstraße ein Fahrzeugkonzept zum fertigen Produkt führt. Am Ende des Live-Engineering-Projekts auf der IAA wird neben dem ausgearbeiteten Fahrzeug- und Mobilitätskonzepts ein generativ gefertigtes Maßstabs-Designmodell zu sehen sein, dass die Idee sichtbar zum Leben erweckt.

Engineering 2.0: Scrum-schnell

Die digitale Welt dreht sich auch im Fahrzeug immer schneller. Auch das Produkt „Automobil“ muss sich mit mehr Geschwindigkeit an neue Mobilitäts- und Kundenwünsche anpassen. Andere Branchen setzen hier die Benchmarks, die der Kunde auch von der Automobilindustrie erwartet. Wenn wir heute ein künftiges Fahrzeugmodell definieren und in drei Jahren auf den Markt bringen, hat sich die Welt bereits mehrfach weitergedreht. 

Für wirklich neue Mobilitätskonzepte bedarf es auch neuer Werkzeuge, neuer Denkweisen und Herangehensweisen im Engineering.  

Dass die Spezialisten von EDAG flexibel und spontan auf den Zuschauerinput reagieren können und überhaupt in der Lage sind, so schnell Ergebnisse zu liefern, liegt vor allem an der Arbeitsmethode SCRUM, die eigentlich aus der Softwarewelt stammt. Dank SCRUM können Unternehmen heute in immer schnelleren Zyklen Produkte entwickeln. 

Allerdings wurde diese Methode im klassischen Automobilentwicklungsprozess bisher weniger beachtet, unter anderem auch, weil die Denk- und Prozessmuster dieser Branche aktuell noch eher starr sind. 

„Auch das Engineering muss die Sprache des Aufbruchs sprechen. Wir wollen den Entwicklungsprozess mehrdimensionaler, flexibler und schneller gestalten, um das gebotene Tempo zu gewährleisten. In Frankfurt geben wir einen Einblick, wie wir ein „Engineering 2.0“ mit mehr Reaktionsgeschwindigkeit gestalten können.“, erläutert Jörg Ohlsen, CEO der EDAG Engineering GmbH.

SCRUM beschreibt einen agilen Prozess, bei dem das Team in kurzen Abständen (meist täglich) zusammen kommt, den Arbeitsfortschritt bespricht und sich austauscht. Auch die Kommunikation mit dem Kunden erfolgt schneller; neue Anforderungen und Kundenwünsche werden in kürzeren Abständen aufgenommen, in kleine Arbeitspakete – sogenannte Sprints – zusammengefasst, priorisiert und eingearbeitet. Gerade in der Konzeptphase für ein radikal neues Fahrzeug- und Mobilitätskonzept wie #collectivio, das vor allem auf den unmittelbaren Input der späteren Nutzer angewiesen ist, ist SCRUM genau der richtige Ansatz, um zu zeigen, wie auch der Engineering-Prozess in Zukunft besser werden kann. Und genau das wird auf dem EDAG-Messestand in Frankfurt live präsentiert werden.

Das EDAG SCRUM Team

Auf dem SCRUM Spielfeld werden EDAG Spezialisten der Disziplinen Design, Architektur/Package, HMI-, VR-, App-Entwicklung und Business Cases als gemeinsames Engineering-Team auflaufen. Das Design-Team wird die Form und Oberfläche entwerfen und zeigen, wieviel vom klassischen Auto für ein Schwarmfahrzeug sichtbar bleiben muss oder ob verschiedene Fahrzeugklassen und Ausbaustufen benötigt werden. Das Team „Architektur/Package“ stellt die Entwicklung einer skalierbaren E-Plattform in den Vordergrund ihrer Projektarbeit und beantwortet die Frage, was Antrieb und Auto eigentlich für den Fahrer leisten müssen. 

Ein wesentlicher Aspekt im Projekt #collectivio ist das Themenfeld HMI im In-und Exterieur. Wollen wir überhaupt autonom fahren und wenn ja, sind im Betrieb verschiedene Fahrmodi gewünscht? Cruisen oder einfach nur schnell zu einem Termin kommen? Diese Fragen werden live diskutiert und müssen für die Entwicklung beantwortet werden - ganz im Sinne eines lebendigen Lastenheftes. Damit die Komplexität des autonomen Fahrens sichtbar wird, programmiert das EDAG Team auf dem Messestand ein Modellfahrzeug, das autonom Manöver auf einem Parcours abfahren wird und immer komplexer werdende Aufgaben bewältigen muss. 

Mit dem autonomem Fahren geht einher, dass ein Fahrzeug ein Vielfaches mehr an Daten verarbeiten muss als heute. Hier sind die Grenzen der Fahrzeugelektrik/-elektronik fast schon ausgereizt und es bedarf neuer technologischer Impulse. Deshalb zeigt EDAG auf der IAA, wie Ethernet im Fahrzeug dabei helfen könnte, die fahrzeuginterne Datenverarbeitung wesentlich effektiver zu gestalten.

Das Team „Business Cases“ wird vor Ort Konzepte für Service-Angebote entwickeln, die während des Fahrens sinnvoll genutzt werden können und ganz nebenbei neue Geschäftsmodellen erschließen. Eine dieser Produktideen wird das Team APPs/VR live entwickeln und am Ende des Live-Engineering-Projekts auf dem IAA Messestand vorstellen.

#COLLECTIVIO – ein Konzept, das kollektiv bewegt

Das eigentliche Ziel von #collectivio ist es, zu zeigen, dass Mobilität in Zukunft nur gemeinsam besser werden kann. Ob bei der Entwicklung oder beim eigentlichen Produkt: erst die kollektive Beteiligung schafft den Mehrwert, der allen nützt. Daher kann jeder bei #collectivio mitmachen, der sich für Mobilität begeistert. Ideen und Kommentare, die mit dem Hashtag #collectivio über Facebook oder Twitter gepostet werden, landen direkt beim EDAG Scrum-Team auf der IAA und werden dort in die Live-Entwicklung einfließen. Der kollektive Input wird auf der Social Media Wall am EDAG-Stand sichtbar - und was die Entwickler daraus machen, können Besucher und Internetzuschauer auf dem EDAG-Messestand live begutachten.

„Gerade in der Konzeptphase eines solch radikal neuen Mobilitätskonzepts dürfen Entwickler sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückziehen. Sie müssen ihren Radarbereich so groß wie möglich halten. Daher haben wir uns bewusst für einen Co-Creation-Prozess entschieden, der den Charakter unseres neuen Engineering-Ansatzes unterstreicht“, erläutert Jörg Ohlsen.

„#collectivio“ – das vermutlich erste Live-Engineering- Projekt in der Geschichte des Automobils!

www.collectivio.de

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