4-in-1 Truck

Wie ein Diplomand bei EDAG die Zukunft der Nutzfahrzeugindustrie mitgestaltet

4-in-1 Truck

Auf den Autobahnen werden immer mehr Güter transportiert, gefühlt steigt die Zahl der Brummis ständig. Die Bundesregierung erwartet, dass der Lastwagenverkehr bis 2030 um fast 40 Prozent zulegen wird. Dass der Güterverkehr zu einem Großteil auf die Schiene verlagert wird bleibt weiterhin ein frommer Wunsch. Das sorgt natürlich für Unmut bei den Autofahrern, denn wir kennen es alle: Verstopfte Autobahnen. Auch die Luftqualität ist nicht besser dran – sie leidet unter dem Mehr an CO2 Ausstoß durch den LKW-Verkehr.

Wenden wir unseren Blick in den urbanen Raum. Im Jahr 2008 lebten erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Durch den Zuzug in die Städte kommt es zum Bau neuer Häuser, neuer Straßen und schwer zugängigen Fußgängerzonen. Der Ausbau der Infrastruktur kann nicht überall mit dem wachsenden Bedarf mithalten. Auch hier machen Lastwägen den PKWs den Asphalt streitig. Und genau hier kommt ein weiteres Problem hinzu: Über viele Brücken darf in Deutschland kein Schwerlastverkehr mehr fahren. Die Folge daraus ist das aufwändige Umladen der Güter auf kleinere Verteiler LKWs. 

Dass hier ein Umdenken aus Sicht der Nutzfahrzeugindustrie stattfinden muss liegt auf der Hand. Was also tun um das Wachstum dieser Branche, in der es um Zeit und optimale Auslastung geht, mit intelligenteren und sauberen Fahrzeugen abfedern zu können?

Es sieht nur auf den ersten Blick wie Science-Fiction aus

Ein Jahr wurde an einer Lösung gearbeitet. Nicht jedoch von Experten der EDAG alleine, sondern in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Kaiserslautern, eine der wenigen Universitäten mit einem Schwerpunkt für Nutzfahrzeugtechnik. Herr Jochen Seifert, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Nutzfahrzeuge der EDAG gab dieses Zukunftsthema für eine Masterarbeit frei.

Das Ergebnis ist verblüffend. Es sieht auf den ersten Blick wie Science-Fiction aus. Aber nur auf den ersten Blick. Kurz danach stellt man sich selbst die Frage, wieso bisher noch niemand auf diese Lösung gekommen ist.

Ein Trägerfahrzeug, auch Mutterfahrzeug genannt, in der Größe eines Überland-LKWs beherbergt vier autogene und wendige Kleintransporter, welche ständig mitgeführt werden können. Die Tragstruktur des Mutterfahrzeugs wird durch das Chassis der Shuttles gebildet. Erreicht das Mutterfahrzeug den städtischen Raum, wird durch eine Luftfederung das Fahrzeug gesenkt und die Shuttles abgekoppelt. Es bedarf keinerlei Anhebevorrichtungen oder anderer Gerätschaften. Ein Maximalgewicht von 12 Tonnen und die Maximallänge von 12 Metern bilden den Rahmen des Konzepts.

Mutterfahrzeug und Shuttles – ein Konzept für die Großstadt

Der 4-in-1-Truck bietet enorme Vorteile, vor allem in der Stadt. 78 Prozent der Waren, die auf der Straße unterwegs sind, werden unter 150 Kilometern transportiert. Die Shuttles können durch elektrische Radnabenmotoren, welche direkt in der Felge sitzen, angetrieben werden. Bei einer Reichweite von ca. 20 km umgeht man so das Rangieren mit großen Güterfahrzeugen in engen Straßen. Zusätzlich spart man das zeitaufwendige Umladen der Güter oder gar ein Zusatzfahrzeug. Jedes Shuttle bietet ausreichend Platz für zwölf Euro-Paletten oder sechs Supermarkt-Rollcontainer, die durch einen Hubmechanismus aus- und beladen werden können. Das Fahrerhaus bietet genug Sicherheit und Komfort, um kurze Auslieferfahrten zu absolvieren. Alle Komponenten, die zum Bewegen des Fahrzeugs unbedingt nötig sind wie Batterien, AGN (Abgasnachbehandlung), Druckluft für die vorderen Bremsen und Luftbälge sind im Vorderwagen untergebracht. Wird das Trägerfahrzeug solo bewegt, so wird der hintere Fahrzeugteil direkt am Vorderwagen befestigt. 

Patent angemeldet

Die innovativen Köpfe der EDAG und der TU Kaiserslautern haben sich mittlerweile  die Gebrauchsmuster schützen lassen.

Fazit: Der Güterverkehr wird weiterhin vom Lastwagen dominiert werden. Ob wir es wollen oder nicht. Pro Jahr versorgen Nutzfahrzeuge jeden Haushalt mit 110 Litern Milch sowie fast 500 Litern Mineralwasser und Limonade. Hinzu kommen jährlich zwei Milliarden Paket- und Kurierdienstleistungen in Deutschland, die der Lkw übernimmt. 

Auch wenn das Konzept der EDAG sicherlich keine Wunderwaffe gegen den verstopften urbanen Raum sein mag: Überall da, wo eine Einfahrtsbeschränkung in Innenstädte besteht oder zu befürchten ist, kann es eine kosten- und zeitoptimierte Lösung sein. Welcher Einfluss sich daraus auch für die Logistik der Zukunft ergibt bleibt noch offen. EDAG zeigt jedoch: Wenn ein gesellschaftlicher Nutzen im Vordergrund steht und man es schafft bisherige Denkmuster aufzubrechen, entstehen spannende Lösungen, die unsere Welt ein klein wenig besser machen können.   

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Ihr Ansprechpartner zum Thema

Jochen Seifert

Jochen Seifert
Kompetenzzentrum Nutzfahrzeuge
Tel.: +41 714 473-610
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