EDAG Motorrad

Wenn die Grenze zwischen Ingenieur und Fan verschwimmt

Wenn es neben dem Rennsport in der Mobilität eine Sparte gibt, die weit über die Technik hinaus für Leidenschaft, Liebe, Geschwindigkeit, Freiheit und Abenteuer steht - für die mitunter höchsten Gefühle, die Technik hervorrufen kann - dann ist das definitiv der motorisierte Zweiradbereich.

Und je länger man darüber nachdenkt, je genauer man sich die Menschen und die Szene anschaut, die sich dem Motorrad verschrieben hat, desto mehr stellt man fest, dass hier Passion für den Beruf im Spiel ist. Sie sind Fans ihres Gefährts, sie lieben die Fortbewegung und vor allem das Gefühl, das damit verbunden ist. Für sie ist Mobilität nicht nur eine Funktion, sondern ein Statement.

Man braucht Passion und ein anderes Mindset

„Du brauchst als Ingenieur für Motorräder ein anderes Mindset - wir müssen andere Skills als PKW-Ingenieure haben und vor allem motorradbegeistert sein!“. Das ist der Standpunkt von Marc Dongus, Leiter des stetig wachsenden Entwicklerteams, das sich bei EDAG seit 2012 um das Thema Motorrad kümmert. Auch wenn der 2012 gegründete Fachbereich „EDAG Motorrad“ noch recht frisch ist, blickt man im Kern auf eine sehr lange Historie zurück: Bereits seit 42 Jahren hat EDAG das Thema Zweiradentwicklung im Programm. Seinerzeit stellte man das Know-how vorwiegend für Kleinprojekte zur Verfügung. Mittlerweile arbeiten im Fachbereich fast 40 Mitarbeiter an der Entwicklung neuer Motorräder - nicht nur für den Rennsport, wo man die Enduros und Superbikes der renommierten Rennställe teilweise sogar während der gesamten Rennsaison fachkundig begleitet. Sondern auch für die Straße, und die Fans der motorisierten High-Tech-Maschinen.

Konstrukteur, Berechner und Prozessmanager seiner eigenen Idee

Das etwas anders gelagerte „Mindset“ ist nicht der einzige Unterschied zwischen den Motorrad-Experten und ihren Kollegen aus dem klassischen Fahrzeugentwicklungsbereich: Die Praxiserprobung des EDAG-Inputs unter Extrembedingungen wie dem Rennsport setzt natürlich nicht nur viel Liebe zum Thema, sondern auch ein viel breiteres Wissen der Ingenieure voraus. Auch wenn das Team interdisziplinär ist, und sich aus Experten für Karosserie, Fahrwerk, Antrieb, Elektrik und Prozessmanagement zusammensetzt, müssen die Motorrad-Experten vielmehr als nur ihr eigenes Thema im Blick haben. Denn Bauteile werden meist von der ersten Designskizze bis hin zum Serienteil begleitet - die Entwickler sind also im gesamten Entstehungsprozess von Motorrad-Karosserien, Motorrad-Fahrwerken und einzelnen Komponenten involviert. Plötzlich ist der Entwickler vielmehr als das: er ist Konstrukteur, Berechner und Prozessmanager seiner eigenen Idee. Kein Wunder also, dass die meisten Entwickler im Fachbereich EDAG Motorrad einen Konstruktionshintergrund haben und natürlich absolut begeisterte Zweiradfans sind.

Zweirad-Begeisterter Nachwuchs gesucht

Weil der Motorradbereich spezielle Anforderungen hat, sucht man natürlich auch dementsprechenden Nachwuchs. Und weil EDAG nun mal zielgerichtet ist, verbindet man die Suche nach ähnlich motorradbegeisterten Jungingenieuren mit einem dementsprechenden Projekt. Das ganze nennt sich „EDAG Moto2“. Studenten haben im Rahmen des Programms die einmalige Gelegenheit, gemeinsam mit den Experten des Fachbereichs ein Chassis für die gleichnamige Prototypen-Rennserie zu entwickeln und zum Saisonstart auf die Piste zu bringen. Dass es dabei nicht nur um die Bestplatzierung beim Rennen, sondern vor allem um die praxisnahe Aus- und Weiterbildung zum Motorradentwickler geht, liegt auf der Hand. Was die Weiterbildung von anderen Angeboten unterscheidet ist die unabdingbare Leidenschaft zum Motorrad und die Freude am Rennsport. Die scheint beim Nachwuchs auf jeden Fall vorhanden zu sein, denn bis Ende des Jahres ist das Projekt bereits ausgebucht. Was aber nicht heißt, dass man in kommenden Jahr nicht anknüpft: im Gegenteil. EDAG Motorrad wächst rasant weiter - was mitunter daran liegt, dass motorradbegeisterte Entwickler eben nicht nur Technik, sondern auch die Liebe zur Geschwindigkeit im Blut haben.