Von südkoreanischem Design und europäischem Geschmack

Wie sich über fachliche Grenzen hinaus die cleversten Entwicklungslösungen finden lassen

Die Südkoreaner können stolz auf sich sein – sind sie es doch, die es geschafft haben in den vergangenen Jahren immer mehr Autokäufer auch im europäischen Markt zu gewinnen. Für den schmalen Geldbeutel gibt es eine Menge Features und eine lange Garantie – Argumente die am Markt offenbar funktionieren. Ob jedoch auch das Design des Fahrzeugs den Geschmack des Kunden in Deutschland trifft ist damit nicht automatisch beantwortet, denn die eher klassischen und geradlinigen Designlinien europäischer Hersteller können sich teilweise stark von denen der asiatischen Wettbewerber unterscheiden. 

Eine Frage bei der die Styling-Experten der EDAG den südkoreanischen Automobilbauern helfen konnten. Im Fokus des Benchmark-Projektes stand das Interieur-Design: Jedes Bedienelement, jede Linienführung, jede Fuge und jede Materialauswahl wurde im Detail auf das „European Feeling“ hin untersucht. Vom kleinsten Detail bis zum großen Ganzen – nur wenn sich alles stimmig zusammenfügt entsteht der gewollte Eindruck den eine Automobilmarke beim Fahrer hinterlassen möchte.

Ein Baukastensystem für Produktdesigner

In der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Automobilhersteller und den Experten der EDAG entstand ein sehr konkreter Optimierungskatalog. Das Ergebnis ist gleichermaßen Lösungsansatz und neue Herausforderung in einem. Einerseits dient der Katalog als Blaupause für das zukünftige Interieur-Design, offenbarte jedoch auch, eine aktuell zu hohe Anzahl von Designvarianten über alle Fahrzeugmodelle hinweg. Eine Eigenschaft die in der späteren Entwicklungs- und Produktionsphase zu hohen Kosten führen kann, denn jede Variante muss im Detail entwickelt und produziert werden. Kosten denen zunächst kein Mehrwert gegenüber steht. Ganz im Gegenteil: Variiert das Design zu stark kann es das Marken-Gesicht des Fahrzeugs verwässern. Den Lösungsansatz, den man zusammen mit den koreanischen Designern fand ist einfach wie clever zugleich: Ein Baukastensystem, wie man es von Fahrzeugplattformen kennt. Nur eben speziell auf die Bedürfnisse des Produktdesign zugeschnitten um einerseits die Teilevielfalt zu reduzieren, andererseits aber auch um der Konzernmarke ein noch signifikanteres Gesicht zu geben.

Spätestens mit der Abgabe des detaillierten Baukastenkonzepts wäre die Projektaufgabe für das EDAG Styling-Team zu 100 Prozent erfüllt gewesen. Aber was hätte man dann erreicht? Was hätte man bewegt? Die praktische Umsetzung wäre noch längst nicht gewährleistet gewesen. Wie also sollte der Übergang einer Design-Strategie in die Welt der Entwickler gelingen und dort umgesetzt werden?

Es reicht nicht, wenn Prozesse nur in Powerpoint gut aussehen

An dieser Stelle zahlte sich aus, dass bei EDAG nicht nur Spezialwissen zusammen kommt, sondern dass man fachübergreifende Zusammenhänge erkennt. Um letztlich ganzheitlich beraten, unterstützen und umsetzen zu können. Und das über Abteilungsgrenzen hinweg.

Die EDAG Designer brachten daher das interne Beratungsteam „Feynsinn“ ins Spiel. Feynsinn ist spezialisiert auf die Optimierung von Wertschöpfung in Unternehmen verschiedenster Branchen und immer dann der richtige Ansprechpartner, wenn es nicht nur um eine Lösungen auf Powerpoint-Basis geht, sondern Prozesse auch im praktischen Alltag das leisten müssen, was sie in der Theorie versprechen. Um das Baukastensystem innerhalb der Organisationsstruktur des Kunden zum Leben zu erwecken, entwickelte das Feynsinn-Team Methoden und Prozesse zu Stärkung der Wiederverwendung von Bauteilen (in der Fachsprache „Common Parts“ genannt).

Dabei wurden die bisher existierenden Freiheitsgrade der Entwickler bewusst begrenzt, um die bisher vorherrschende Variantenvielfalt auf Bauteil- und Komponentenebene zu reduzieren. Ohne dabei jedoch die Kreativität von Designern und Entwicklern einzuschnüren – eine wichtige Grundvoraussetzung des Ansatzes.  

Die von Feynsinn eingeführte Produktstruktur brachte die Lösung

Eine abstrakte Produktstruktur musste her. Was zunächst kompliziert klingt, ist in der Praxis eine clevere Lösung: Bausteine, wie beispielsweise die Fahrzeug-Innenverkleidung werden nur einmal definiert, unter dem Aspekt der Wiederverwendbarkeit auf den Prüfstand gestellt und in der Struktur abgelegt. Diese gilt über alle Basisfahrzeuge, sprich über die gesamte Fahrzeugfamilie hinweg. Wird ein neues Fahrzeugprojekt aufgesetzt lässt sich in dieser Struktur schon ein Großteil der notwendigen Bausteine auswählen bzw. übernehmen.

Neben den Arbeitsprozessen mussten auch organisatorische Veränderungen angestoßen werden um die Wiederverwendbarkeit über die gesamte Fahrzeugfamilie hinweg zu motivieren. „Dazu haben wir dem Kunden im Rahmen der Prozesseinführung empfohlen, neben der technischen und kaufmännischen Projektleitung auch sogenannte Produktfamilien-Verantwortliche und ein zentrales Daten-Managementsystem zu installieren, um einen strukturierten Abstimmungsprozess sicherstellen zu können.“, erläutert der leitende Feynsinn-Projektmanager Rayk Henkelmann. Auch in Bezug auf die notwendige Software konnte Feynsinn mit einer Datenmanagementsystem-Lösung unterstützen. Ein eigens für diesen Zweck entwickeltes Softwaretool, ermöglicht das Prototyping des neuen Prozesses. Oder anders ausgedrückt: Das Tool hilft dabei die neuen Prozesse zu erproben und die theoretischen Konzepte in die Praxis zu überführen. Eine Vorgehensweise, die es ermöglicht „in extrem kurzer Zeit arbeitsfähig zu sein“, davon ist der Kunde überzeugt.     

Diese Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Hersteller dokumentiert in optimaler Weise den integrierten Ansatz, von dem man bei EDAG überzeugt ist. Das Know-How nutzt Kunden weit über den eigentlichen Umfang hinaus. Um gemeinsam nicht nur gute, sondern bessere Lösungen zu finden. „Ein ganzheitlicher Ansatz“ nennt es der Markt, „Umsetzungskompetenz“ nennt es der Wettbewerb, „unser Selbstverständnis“ nennt es EDAG.

Ihre Ansprechpartner zum Thema

Rayk Henkelmann

Rayk Henkelmann
Leitender Projektmanager
Tel.: +49 89 350989-518
E-Mail

. . .

Robert Rech

Robert Rech
Senior-Prozessberater
Tel.: +49 661 6000-9580
E-Mail