Sicherheit von Fußgängern geht nicht nur von der Straße aus

Wenn der Anspruch an Fußgängerschutz über die Gesetzlichen Rahmenbedingungen hinausgeht

Sportliches Design ist im Trend! Jung, dynamisch, ausdrucksstark – Werte die man in den heutigen Fahrzeugen der Premiumhersteller oftmals im Design wiederfindet. Sie prägen eine Formsprache, die überall in Fahrzeugen zu finden ist: Ein flacher Aufbau und eine niedrige Front. Was zunächst durchwegs positiv klingt, zeigt sich auf den zweiten Blick nicht in allen Belangen von Vorteil.

So schön beispielsweise flache Motorhauben wirken, sie haben die Eigenschaft, dass sie im Falle einer Kollision einem Fußgänger zum Verhängnis werden können. Durch den flachen Aufbau wird er nach dem Aufprall sehr stark auf die Motorhaube gelenkt.

Konflikt zwischen Design und Sicherheit

Man muss noch nicht einmal Entwicklungsexperte sein, um zu erkennen, dass sich hieraus Zielkonflikte zwischen Designern und Sicherheitsexperten ergeben. Wo der eine für eine flache, schlanke Optik plädiert, kämpft der andere für die Sicherheit auch von anderen Verkehrsteilnehmern. „Ich kann mich an spannende Projekte erinnern, bei denen Designer, Packageverantwortliche, Experten der Betriebsfestigkeit und der Fahrzeugsicherheit am Tisch saßen. Hier ist Aufklärungsarbeit erforderlich gewesen um zu zeigen, dass das Beste für alle durchaus realistisch ist.“, erinnert sich Maren Finck, Expertin und Projektleiterin für Fahrzeugsicherheit und Fußgängerschutz bei EDAG.

Bei EDAG hat man sich ganz bewusst diesem Konflikt gestellt und tüftelt zusammen mit den großen Automarken an cleveren Lösungen. Die Idee dahinter ist im Crashfall mit pyrotechnischen Ladungen die Motorhaube um wenig Zentimeter nach oben zu katapultieren. Wenige Zentimeter, die einen großen Unterschied machen können, weil die Wucht des Aufpralls durch eine Verformung der Motorhaube gedämpft wird, anstatt eines Aufschlags z.B. auf den Motorblock.

Zusätzliche Airbags, speziell für Fußgänger außen am Fahrzeug angebracht, unterstützen zusätzlich. Für die Designer bedeutet dieses Konzept, dass sie kaum Einschränkungen in der Formensprache hinnehmen müssen, da ein flacher Aufbau zunächst beibehalten werden kann.

Die aktive Motorhaube

Das Konzept der aktiven Motorhaube mag dem einen oder anderen nicht unbedingt als absolute Neuheit in der Automobilindustrie erscheinen. Der mit den unterschiedlichsten Sensoren ausgestattete Stoßfänger ist es jedoch definitiv. So wird mit Hilfe von Drucksensoren und Beschleunigungssensoren noch während des Crashs ein Kollisionsmuster erstellt. Die Kollision mit einem Leitplanken, einer Tonne oder einer übersehenen Parkuhr hat eine völlig andere Charakteristik als die mit einem Fußgänger. Anhand der unterschiedlichen Muster wird binnen Millisekunden entschieden, ob die Motorhaube nach oben geschossen werden muss. So lassen sich Fehlzündungen weitestgehend verhindern.

Maßnahmen zur Sicherheit im Falle einer Kollision schreibt auch der Gesetzgeber vor. Bei all den Entwicklungen gibt man sich bei EDAG jedoch nicht mit dem Zufrieden, was gefordert wird. Denn Fußgängerschutz findet nicht im Labor statt, sondern muss auf der Straße zeigen was er kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man bei EDAG einen anderen Anspruch hat – „Unser Anspruch ist es mit gutem Gewissen den größtmöglichen Schutz auch für andere Straßenteilnehmer zu entwickeln. Das bedeutet aus unserer Sicht wahres Premium!“, so die Expertin Maren Finck.

Es kommt auf den Anspruch an

Für die Zukunft sieht die Expertin eine deutlichere Beteiligung der sogenannten aktiven Sicherheitsmaßnahmen. Diese Maßnahmen schreiten schon vor der eigentlichen Crashsituation ein, da sie in gewisser Weise vorausschauend sind. Sollte ein Crash trotz selbstständiger Vollbremsung des Fahrzeugs, ebenso eine Maßnahme aus dem Bereich der aktiven Sicherheit, nicht möglich sein, lässt sich beispielsweise die aktive Motorhaube deutlich früher auslösen. In der gewonnenen Zeit kann die Motorhaube weiter nach oben ausgefahren oder weitere unterstützende Luftposter aktiviert werden.

Wie auch immer der Fußgängerschutz von morgen und übermorgen aussehen wird: Die Experten der EDAG zeigen, dass es auf den Anspruch ankommt, den man seiner eigenen Arbeit zu Grunde legt. Der Anspruch das Beste für Fahrzeug, Fahrer und das gesamte Umfeld zu erreichen. Und damit auch technologisch einen Schritt weiter zu gehen.


benchMark Pedestrian Protection
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