Indianische Volksgemeinschaft inspiriert zu mehr Nachhaltigkeit -

Warum die Navajos mit EDAG-Bussen die Umwelt schützen

Mit knapp 330.000 Menschen sind die Navajos die zweigrößte indianische Volksgemeinschaft im größten Reservat Amerikas. Verteilt über den Nordosten Arizonas, den Südosten Utahs und den Südosten New Mexikos, einem Gebiet also, das mit 71.000 qm in etwa so groß ist wie der Staat West Virginia, leben die Angehörigen dieses Stammes als halbautonome Gemeinde. Sie greifen auf eigene Infrastrukturen zurück. Man hat eine eigene Regierung, pflegt und betreibt eigene soziale Einrichtungen und politische Organisationen. Das umfasst auch den öffentlichen Personennahverkehr. Denn die Navajos sind in insgesamt 110 Chapter verteilt, die weniger Stämme, als vielmehr Dorfgemeinschaften sind. Und die sind nicht nur kulturell, sondern auch verkehrstechnisch miteinander verbunden.

Im Einklang mit der Umwelt? Man muss nur die richtigen Ingenieure fragen.

Dass die Bevölkerung vernetzt ist, wird unter anderem vom Navajo Transportation System gewährleistet. Das NTS verbindet auf insgesamt 18 Routen 41 Chapter an festen Stationen. Und muss in Zukunft noch stärker ausgebaut werden - denn nicht alle Stationen sind für die einzelnen Chapter zu Fuß erreichbar. Und die Dorfgemeinschaften sind noch lange nicht ausreichend vernetzt. Doch nicht nur das ist ein Problem für die Indianer. Man sorgt sich auch um die Umwelt. Für ein naturverbundenes Volk, dass im Einklang mit der Umwelt lebt und als religiösen Grundsatz die Gestaltung des Lebens in Harmonie mit der Natur verfolgt, ist der Betrieb von Bussen mit herkömmlichen Antrieben ein leider notwendiges Übel, dass sich nicht vermeiden lässt. Oder doch: wenn man die richtigen Ingenieure fragt.

Ein Bus mit vollelektrischem Antrieb

Um den Pendelverkehr der Navajos in New Mexiko umweltverträglicher zu gestalten, fragte man kurzerhand die Ingenieure der EDAG, ob sie in der Lage wären, einen Bus mit vollelektrischem Antrieb zu entwickeln, da bisherige Hybrid-Lösungen nicht die richtige Alternative seien. Da man sich bei EDAG gerne Herausforderungen stellt - insbesondere, wenn sie einen gesellschaftlichen Nutzen haben - zögerte man nicht lange, und nahm sich der Problemstellung an.

Dazu mussten die Entwickler erstmal mit Grundlagen anfangen. Denn eine vollelektrische Antriebslösung existierte für Nutzfahrzeuge dieser Art bis Dato noch nicht. Um eine funktionstüchtige und zuverlässige Lösung zu entwickeln, wurde ein herkömmlicher Bus komplett ausgeschlachtet und analysiert. Die Problemstellungen waren dabei nicht nur die Auswahl der richtigen Aggregate - man brauchte ja eine dementsprechende Leistungsfähigkeit - sondern auch die Aufladung der Energiespeicher, für die es ja bisher noch keine Standards oder Normierungen gibt. Nach etlichen Implementierungsversuchen gelang es letztlich, einen Bus so umzurüsten, dass er vollelektrisch fährt. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das so noch nicht gebaut wurde. Und am unwahrscheinlichsten Ort der Welt, nämlich nicht in einer urbanen Metropole, sondern in einem zerklüfteten und klimatisch komplexen Region, den öffentlichen Personenverkehr revolutioniert. Dass diese Innovation ausgerechnet im eher unwirtlichen Gebiet der Navajos erprobt wird, ist wiederum ein großer Vorteil: Denn wenn der Antrieb dort funktioniert, funktioniert er wahrscheinlich auch in New York oder Berlin.

Inspiriert von einem der entlegensten Orte der Welt

Bei EDAG überlegt man derzeit, diese Entwicklung als Baureihe herauszubringen und den großen Nutzfahrzeugherstellern zu präsentieren - als zukunftsträchtige Lösung für die Beförderung von Personen und die Entlastung der Umwelt. Ob daraus dann letztlich ganz neue Nutzfahrzeuge entstehen, die den Personennahverkehr verändern, oder der nachhaltige Gedanke sogar soweit getrieben wird, dass man mit der EDAG-Idee einfach bestehende Fahrzeuge umrüstet, wird sich in Zukunft zeigen. Wie auch immer der Bus der Zukunft fahren wird: Mal wieder zeigt EDAG, dass technologische Entwicklung immer dann entsteht, wenn ein gesellschaftlicher Nutzen der Antrieb ist. Und dass man sich für solche nachhaltigen Aktionen manchmal von ganz abgelegenen Orten inspirieren lassen kann.